Die Entstehung
Die Ortsmitte von Blaibach zeigte sich bis zum Jahr 2012 als vom Leerstand geprägt. Um das Ortszentrum wiederzubeleben, entwickelte die Gemeinde gemeinsam mit dem Architekten Peter Haimerl zunächst das ein bäuerliches Anwesen, das sogenannte „Blaue Haus“, zum Bürgerhaus. Im Anschluss konnte man sich dem benachbarten Grundstück widmen, auf dem heute das Konzerthaus Blaibach zu finden ist.
Initiiert von Architekt Peter Haimerl und Bariton Prof. Thomas E. Bauer, eingebettet in das städtebauliche Modellprojekt „Ort schafft Mitte“ und mit intensiver Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger am „Runden Tisch“, wuchs ein Projekt, das nicht nur der Region, sondern allen Gästen aus nah und fern, ein kulturelles Erlebnis bieten sollte.
Im August 2013 begannen die Arbeiten an dem 560 m² großen Bau, der bereits, nach nur 13 Monaten Bauzeit, im September 2014 eröffnet werden konnte.
Die Gesamtkosten beliefen sich auf 2,7 Millionen Euro – für eine kleine Gemeinde eine beachtliche Summe. Möglich wurde das Vorhaben durch 1,3 Mio. € Städtebauförderung und 400.000 € aus dem Kulturfonds Bayern. Durch Spenden, Sponsoring und dem Mitwirken des Fördervereins Konzerthaus Blaibach e. V. konnte der Eigenanteil der Gemeinde an den Baukosten erheblich reduziert werden. Ohne die tatkräftige Mithilfe zahlreicher Freiwilliger, die etwa beim Verlegen und Eingießen der ca. 45.000 Granitsteine für die Fassade halfen, wäre das Projekt nicht in dieser Dimension realisierbar gewesen.
Das Konzerthaus präsentiert sich als gekippte Schachtel im Zentrum des neuen Dorfplatzes – eine minimalistische Form, die an eine Schuhschachtel erinnert. Die Fassadenteile aus 20 Tonnen schweren Betonelementen mit eingegossenen Granitsteinen verweisen auf Blaibachs Tradition als Steinhauerdorf.
Im Inneren entfaltet sich ein puristischer Konzertsaal aus hellem, porösem Leichtbeton mit Glasschaumschotter. Über 3.000 präzise gefertigte Schalungselemente waren nötig, um die besondere Akustik zu schaffen. Der fensterlose Saal mit indirekter LED-Beleuchtung erinnert an eine Felsenhöhle – ein intimer Raum für Musik, in dem 197 Gäste und bis zu 60 Musiker Platz finden.
Auch das Bürgerhaus und das ebenfalls angrenzende Waidlerhaus fügen sich durch die Verwendung von Sichtbeton und Holz harmonisch ins Gesamtensemble.
Bauherrin und Eigentümerin ist die Gemeinde Blaibach. Die Kulturwald gGmbH unter Leitung von Prof. Thomas E. Bauer betreibt das Haus und garantiert jährlich rund 50 Konzerte mit internationalem Anspruch. Zusätzlich richtet die Gemeinde selbst etwa 25 Konzerte und Kulturabende aus. Jahr für Jahr werden hochkarätige Konzerte geboten – diese haben das Konzerthaus Blaibach fest als unverwechselbaren Kulturort auf die Landkarte Europas gesetzt.
Das Programm zieht Künstlerinnen und Künstler an, die sonst nur in den großen Metropolen zu hören sind: Sir András Schiff, Grigory Sokolov, Pierre-Laurent Aimard, Frank-Peter Zimmermann, Thomas Quasthoff, Claire Huangci, Christoph Prégardien, das Gringolts Quartett, die Münchener Hofkapelle und viele mehr. Selbst Opernlegende Plácido Domingo hat schon in Blaibach gastiert.
Im September 2024 feierte das Konzerthaus sein 10-jähriges Bestehen. Mit Haydns „Schöpfung“, wie schon beim Eröffnungskonzert 2014, wurde das Jubiläum festlich begangen. Innerhalb eines Jahrzehnts hat sich das Haus von einer mutigen Idee zum international beachteten Kulturleuchtturm entwickelt.
Im Jahr 2015:
- Materialpreis, Kategorie Beton
- BDA Regionalpreis
- Deutscher Architekturpreis: Auszeichnung
- Kulturpreis der Bayerischen Landesstiftung
- Tourismus Award Bayerischer Wald Innovativstes Kultur-Angebot
Im Jahr 2016:
- artouro – Bayerischer TourismusArchitekturPreis
- BDA Bayern Preis, Kategorie Kulturbauten
- BDA Bayern Preis, Preis der Jury
- Polis Award, Anerkennung, Reaktivierte Zentren
Im Jahr 2017:
- Architekturpreis Beton
- Heinze Award Gesamtsieger